LIZENZEN

1. Fanwünsche

Eure Film- und Serienwünsche sind uns immer willkommen.  Diese könnt ihr persönlich auf Conventions an uns herantragen oder auch online kommunizieren; entweder per Kontaktformular oder in den entsprechenden Threads unserer Foren. Einen Wunsch mehrfach zu äußern führt aber nicht zwangsläufig zu seiner Umsetzung. Denn natürlich müssen wir, bevor wir einen Anime oder Manga auf den Markt bringen, alle kritischen Faktoren prüfen, so zum Beispiel Zeit, Kosten, Umsetzbarkeit und natürlich an erster Stelle den voraussichtlichen Erfolg am Markt. In Abhängigkeit vom Ergebnis dieser Prüfung entscheiden wir, ob wir eine Lizenz einkaufen oder nicht. Deshalb können wir für die Umsetzung eurer Vorschläge keine Garantie geben. Aber sie sind natürlich eine wichtige Orientierung und Unterstützung für uns.

2. Titelanfragen zu neuen Lizenzen

Zu Titeln, die wir nicht offiziell per Pressemeldung angekündigt haben, können wir uns nicht äußern. Bitte habt daher Verständnis dafür, dass wir zu neuen Lizenzen und Veröffentlichungsterminen keine Aussagen treffen. Die Pressemitteilung ist die frühestmögliche Erwähnung einer geplanten Veröffentlichung. Selbst bei Filmen und Serien, über die wir derzeit verhandeln, kann und darf aus verhandlungsrechtlichen Gründen nichts gesagt werden. Wir wissen, dass dieses Schweigen für Fans sehr unbefriedigend ist, aber internationale Verhandlungen erfordern dieses Vorgehen.

3. Der Weg einer Lizenz nach Deutschland

Der Weg einer Anime-Lizenz nach Deutschland besteht im Grunde genommen aus fünf Schritten:

  1. Laufende Marktforschung
    Wir informieren uns auf verschiedenen Wegen über neue Titel. Das geschieht z. B. bei Vor-Ort-Recherchen, dem Besuch spezieller Lizenz-Messen oder über Internetrecherche.
  2. Evaluation der Serie
    Haben wir Interesse an einem bestimmten Titel, müssen wir sein Marktpotenzial für das deutschsprachige Lizenzgebiet einschätzen. Hierzu ist unter anderem die Beantwortung folgender Fragen notwendig:

    • Wie sieht die Fanbase in Japan, den USA oder Frankreich aus? Wie erfolgreich ist der Titel dort?
    • Gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein entsprechendes Publikum, das für diesen Titel Geld ausgeben würde?
    • Ist die Lizenz überhaupt noch verfügbar und wie hoch wären die geschätzten Kosten des Lizenzerwerbs?
    • Gibt es bereits einen Manga zu dem jeweiligen Anime und wie erfolgreich ist dieser in Deutschland sowie im Ausland (Japan, USA, Frankreich)?
    • Eignet sich der Film bzw. die Serie als Kandidat für ein großes Filmfestival?
    • Wie sieht die Verbreitung des Titels auf illegalen Downloadportalen aus und schmälert diese die Marktchancen in Deutschland?

    Die Antworten auf diese Fragen helfen uns, eine erste Einschätzung vorzunehmen, ob das Umsatzpotenzial eines Titels hoch genug ist, um ihn (mindestens kostendeckend) für den deutschsprachigen Raum einzukaufen.

  3. Kontaktaufnahme zum Lizenzgeber
    Wenn uns ein Titel lohnenswert erscheint, wenden wir uns an den Lizenzgeber, um ein erstes Interesse an dem Titel zu zeigen. Dies geschieht meist persönlich auf Publikumsmessen wie zum Beispiel der Comic-Con in San Diego, der Japan Expo in Paris, die Anime Japan in Tokyo oder spezielle Lizenzmessen, wie der MipTV und MipCom in Cannes.
  4. Lizenzverhandlung
    Bei Interesse des Lizenzgebers an einer Lizensierung steigen wir in die Lizenzverhandlungen ein. In der Regel gibt es mehr als einen Bieter für eine Lizenz. Ausschlaggebend für den Zuschlag ist allerdings nicht immer die Gebotshöhe. Auch die Qualität der Arbeit des Lizenznehmers und der Respekt vor dem Werk der Künstler spielt eine große Rolle, da die Japaner Wert auf persönliche und langfristige Geschäftsbeziehungen legen.
    Eine Lizenzverhandlung kann unterschiedlich viel Zeit in Anspruch nehmen. Der Grund für lang andauernde Verhandlungen liegt häufig in Japan. So kann es vorkommen, …

    • dass verschiedene Komitees an der Entscheidung über eine Lizenzvergabe beteiligt sind.
    • dass die Rechtesituation unklar ist (z. B. können die Lizenzrechte für bestimmte Gebiete oder selbst für Japan gesperrt sein). Auch das Thema Musikrechte ist oftmals kompliziert.
    • dass sich das Animationsstudio mit dem Kreativen überworfen hat (wie z. B. Captain Future, Sailor Moon), was eine Lizenz blockieren kann.

  5. Aufsetzung des Vertrags und Unterzeichnung
    Wenn sich Lizenzgeber und Lizenznehmer einig sind, kommt es zur Vertragsaufsetzung. Auch hier gibt es meist mehrere Änderungsdurchläufe, bis der finale Vertrag unterzeichnet wird.
    Der Vertrag beinhaltet folgende Dinge:

    • eine Aufstellung aller Rechten und Pflichten seitens Lizenzgeber und -nehmer
    • die Höhe der Lizenzgebühr, bestehend aus: der Lizenzgebühr pro Folge und einem bestimmten Prozentsatz vom Umsatz
    • das Lizenzgebiet
    • die Lizenzdauer
    • die Art der Auswertung, also die erlaubten Medienformen (Simulcast, TV, DVD/Blu-ray, Kino, VoD, Video-Verleih, Merchandise)
    • den Umfang des zur Verfügung stehenden Materials

Sind diese fünf Schritte absolviert und der unterzeichnete Vertrag liegt uns vor, dürfen wir den neuen Titel offiziell ankündigen. Danach geht es an die Planung der Veröffentlichung.

Wichtig bei der Veröffentlichung ist, dass der Erwerb der Lizenz noch lange kein Freibrief ist, mit einem Titel zu machen, was man möchte. Alle einzelnen Produktionsschritte, die Gestaltung (Design, Inhalte, Extras) der Produkte sowie die Werbung für den Titel, zum Beispiel Anzeigen, Poster oder Messestand-Aktionen, müssen einzeln mit dem Lizenzgeber abgestimmt und von diesem genehmigt werden. Erst wenn der Lizenzgeber mit der Gestaltung und Inhalt von Boxen, Texten, Bonusmaterial usw. restlos zufrieden ist, darf ein Produkt und die dazugehörigen Werbematerialien produziert werden und in den Vertrieb gehen.

4. Warum dauert eine Veröffentlichung manchmal so lange?

Viele von euch wünschen sich, dass eine Serie möglichst schnell nach der Ausstrahlung in Japan auch nach Deutschland kommt. Oft ist dies leider nicht möglich.

Dies liegt einerseits daran, dass die Japaner einen Titel nach der TV-Ausstrahlung zunächst für die Veröffentlichung auf DVD / Blu-ray vorbereiten müssen, denn der DVD-/Blu-ray-Release unterscheidet sich in der Regel von der TV-Ausstrahlung. Diese Adaption benötigt Zeit. Und wir in Deutschland können – mit Ausnahme von Simulcast – nur mit dem fertigen DVD-/Blu-ray-Material der Japaner arbeiten. Die Arbeitsschritte, die dann in Deutschland noch durchgeführt werden müssen, um am Ende das fertige Produkt bei MediaMarkt oder Saturn zu finden, nehmen natürlich ebenso Zeit in Anspruch.

In der Regel ist es auch so, dass ein Titel in Deutschland erst erscheinen darf, wenn er in Japan veröffentlicht wurde. Darüber hinaus gibt es in den meisten Fällen noch einen sogenannten „Hold-Back“ auf die Titel. Das heißt, der Lizenzgeber verlangt, dass ein Titel erst einige Monate (teilweise sogar bis zu einem Jahr) nach Veröffentlichung in Japan bei uns erscheinen darf. Dies, weil die japanischen Lizenzgeber billigen Re-Importen aus dem Ausland einen Riegel vorschieben wollen, um die in Japan viel teureren DVDs und Blu-rays an den Mann bzw. die Frau zu bringen.

5. Was ist ein Simulcast?

Der Begriff Simulcast setzt sich aus den englischen Wörtern „simultaneous“ (zeitgleich) und „broadcast“ (ausstrahlen / senden) zusammen. In Japan werden jedes Quartal neue Anime-Serien im japanischen Fernsehen veröffentlicht. Pro Serie erscheint jede Woche eine neue Episode. Wird die Episode zeitgleich bzw. zeitnah in einem anderen Land in japanischer Sprache mit Untertiteln in einer anderen Sprache veröffentlicht, so spricht man von einem „Simulcast“. Unsere Simulcast-Serien veröffentlichen wir auf der Online-Plattform Anime on Demand. Da die hiesige Aufbereitung des Materials auch noch einiger Arbeitsschritte bedarf – Encoding, Übersetzung, Timing, Untertitelung, Encoding – ergeben sich von Serie zu Serie unterschiedliche Zeitabstände zwischen Erstausstrahlung und deutschem Simulcast. Wir sind wie jeder andere Simulcast Anbieter von der jeweiligen Liefermentalität des Lizenzgebers in Japan abhängig und bemühen uns, euch die Serien zeitnah zur Verfügung stellen zu können.

6. Warum erscheint ein Titel bei KAZÉ Frankreich aber nicht bei KAZÉ Deutschland?

Auch wenn beide Firmen der gleichen Mutterfirma angehören, agieren sie autark, also unabhängig voneinander. Wenn KAZÉ Frankreich einen Titel lizenziert, erscheint der nicht automatisch in Deutschland.

Deutschland und Frankreich besitzen ganz unterschiedliche Anime- und Manga-Märkte. Ein Titel, der in Frankreich sehr populär ist, wie z. B. Die geheimnisvollen Städte des Goldes, erlebt in Deutschland keinen solchen Boom. Außerdem gehören die beiden Länder zwei getrennten Lizenzgebieten an, sodass eine Lizenz für Frankreich nicht für Deutschland gilt.