Das Bildnis der Hexe
Das Bildnis der Hexe - Band 1

Das Bildnis der Hexe

Waisenkind Aisha hat eine ungewöhnliche Gabe: Malt sie Bilder mit ihrem eigenen Blut, erwachen sie auf geheimnisvolle Weise zum Leben und lassen Wunder geschehen. Dabei könnte Aisha selbst ein Wunder gebrauchen. Von habgierigen Erwachsenen skrupellos ausgenutzt, ist das Mädchen längst am Ende ihrer Kräfte. Auch ihr einziger Freund Loki kann sie nicht beschützen, aber als ihre Zeit gekommen ist, betraut Aisha ihn mit einem letzten Wunsch …

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In dieser Galerie sind die geheimnisumwobenen Blutbilder der kleinen Hexe Aisha versammelt, sofern sie der Nachwelt bekannt und erhalten geblieben sind. Ursprünglich wurden sie erschaffen, um den Menschen zu helfen und märchenhafte Wunder geschehen zu lassen …

Aisha wuchs als Waisenkind auf und besaß die wundersame Gabe, alles wahr werden zu lassen, was sie mit ihrem Blut malte. Sie erschuf Gemälde von überwältigender Schönheit und Überlieferungen sprechen von 159 Werken, die ihre Besitzer über Nacht unfassbar reich machten oder sie selbst von unheilbaren Krankheiten erlösten.

Nach dem Tod der kleinen Hexe jedoch gerieten die Bilder in Vergessenheit und über die Jahre hinweg wurden sie von skrupellosen Menschen missbraucht. Die vorliegende Sammlung versucht aufzuzeigen, welche abscheuliche Kreaturen aus den einst so wundervollen Gemälden erwachsen sind.


Kleiner Freund

Gemalt für einen alten Mann mit einem kümmerlichen Rosengarten. Das Bild rief eine Spinne herbei, die dem Alten mit der schwachen Hüfte bei der Schädlingsbekämpfung half. Nach dem Tod des Mannes wurde es in einem Schuppen verstaut. Zu Zeiten seines Urenkels wurde es von einem Räuber gestohlen und daraufhin zu einem Blutbild.


Die Liebe der Marionette

Eine Marionette, die in ihren Puppenspieler verliebt ist, wird durch seine Tränen zum Mensch. Aus dieser selbst erdachten Geschichte hat die Hexe ein Bild erschaffen. Es wurde ihr weggenommen und bei einer Auktion versteigert. Danach erfüllte es den Wunsch seines Besitzers nach immer mehr lebendigen Puppen und wurde dadurch zu einem Blutbild.


Der Traumfresser

Gemalt für einen Mann, der unter schweren Albträumen litt und nicht mehr richtig schlafen konnte. Es heißt, dass die aus dem Bild hervorgesprungene Fledermaus seine Albträume fraß und er Zeit seines Lebens mit einem glücklichen Gesicht einschlief. Nach dem  Tod des Mannes ging das Gemälde an einen Besitzer, der die Albträume anderen Menschen aufzwang, woraufhin es zu einem Blutbild wurde. Sektion 4, die Gerüchte darüber aufgeschnappt hatte, hat das Bild sichergestellt.


Das magische Kästchen

Dieses Bild ist die Skizze einer Kamera, wie die Hexe sie sich vorgestellt hat. Ursprünglich sollte es nicht weggegeben werden, aber da die Nachfrage nach magischen Bildern stieg, wurde es mit Blut bestrichen und verkauft. Weil die Hexe noch nie eine echte Kamera gesehen hatte, ergänzte sie die Teile, die sie nicht kannte, mit ihrer Fantasie.


Das heilige weiße Biest

Ein Bild, das bei einem religiösen Ritual eines Dorfes verwendet wurde. Es wurde in Auftrag gegeben, als die Bewohner sich dem Berggott erneut zuwandten, nachdem der Glaube an ihn mit der Zeit schwächer geworden war. Wenn das Biest, weiß wie Schnee, aus  dem Bild herauskam, bewegte es sich entsprechend dem Willen seiner Besitzerin, der Dorfschamanin. Leckte es Wunden, wurden sie auf der Stelle geheilt, doch mit der Verwandlung zum Blutbild wurde es zu einer wilden Gottheit, die einen Todesfluch auf die  verheilten Wunden legt.